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DerNeueAppleIIgsComputerPersonlich21.1986German

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Source: Internet Archive — Aggregated Apple-era periodicals, 1981–2012.
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Das aktuelle Fachmagazin fiir Personal Computer Thermodrucker * Grofe Marktibersicht + So finden Sie den Richtigen * Betriebskosten Spooler * Selber programmiert + Kaufhilfe und Checkliste Test Never 8/16-Bit-Computer Der Apple IIGS In der Geriichtekiiche brodelte es schon seit Monaten. Der neve Apple IIGS, jungster SproB der legendéren Apple Il-Familie, geisterte mal als Mini- Macintosh, mal sogar als IBM-Kompatibler durch die Klatsch- spalten der Fachpresse. Wir testeten den ersten verfiigbaren Profotyp und sagen Ihnen, was es mit dem jungsten Apple-Computer auf sich hat. f 7% = Vv er IIGS (GS steht fiir Gra- Decces ist das letzte Ka- pitel in einer langen Erfolgsge- schichte. Sie reicht bis zum Urahn al- ler Apple-Computer, dem Apple I mit ganzen 4 KByte RAM, zuriick, Von diesem Computertyp, der noch in der Garagenzeit der Firma ent- stand, wurden nur zirka 200 Stiick gebaut. Die meisten davon wurden zwischen 1976 und 1977 an Mit- glieder des Homebrew-Computer- 18 Computer Clubs verkauft. Der Designer die- ses Hobbyisten-Spielzeugs, Steve Wozniak, begann dann bald darauf, das Design fiir einen neuen Compu- ter zu entwerfen: den Apple II. Die- se klassische Hackermaschine mit dem alten Monitor-ROM und Inte- ger-Basic durchlief tiber die Jahre hinweg zuerst die Wandlung zum Apple II+ mit einem Autostart-ROM und der Floating-Point-Basic-Varian- te Applesoft, dann zum Apple Ile mit mehr RAM und verbesserter Tasta- tur. Letzter Abkémmling der Apple IIl-Familie, und zugleich auch das er- ste Gerat ohne die fiir Apple so typi- schen Slots, ist der Apple IIc, ein tragbarer Computer, bei dem aus Platzgriinden die wichtigsten Inter- faces und Add-Ons fest eingebaut sind. Statt der standardmaBigen 6502-CPU enthielt dieses Gerat die 65C02, hauptsachlich wegen der Stromersparnis und der Tempera- Ausgabe 21 vom 1. 10. 86 Test turprobleme im nicht gerade gerau- migen IIc-Gehause. Der neue Apple geht noch ein Stiickchen weiter. Seine CPU, die 65C816, von Western Design Center entwickelt und auch bei GTE erhalt- lich, kann die 6502 emulieren. Je nachdem, ob ein bestimmtes Bit im Statusregister gesetzt ist, verhalt sich die 68C816 wie eine 6502. AuBer- halb des Emulationsmodus wird sie zu einer Pseudo-16-BitCPU mit ei- nem Befehlsatz von 254 Opcodes, darunter auch solche Extras wie Blockmove oder Coprozessor-Auf- ruf via COP-Befehl. COP verhalt sich im grofen und ganzen wie ein Inter- rupt, hat aber einen eigenen Vektor. Der Aufruf eines Controllers oder eines Arithmetik-Prozessors wird dadurch wesentlich erleichtert. Ma- nipulationen auf dem Stack sind durch neue Kommandos und Adres- sierungsarten ebenfalls wesentlich leichter auszufiihren. Die Kompati- bilitat der Prozessoren wiederum ist eine gute Voraussetzung fiir die Kompatibilitat der Computer als Ganzes, und das ist der wichtigste Punkt: der neue Apple IIGS ist so- wohl hardware- (Slots) als auch soft- waremafig kompatibel zum Apple 6502-CPU Tle, IIc etc. Gleichzeitig bringt er aber auch die Leistungsfahigkeit eines Pseudo-l6-Biters. Um die 65C816-CPU herum haben die App- le-Ingenieure einen Apple-like- Computer mit 256 KByte RAM (aus- baubar bis 1 MByte, spater bis 4 MByte), 128 KByte ROM, acht Slots und einigen Schnittstellen konstru- iert. Der IIGS hat zwei serielle Ports (ei- ner fiir den Drucker, den anderen fiir ein Modem), ein Interface fiir die Maus und auch der Anschlu8 von maximal zwei 3%-Zoll-Laufwerken und zwei §4%4-Zoll-Laufwerken ist méglich. Der Computer wird mit ei- ner umschaltbaren 80/40-Zeichen- darstellung ausgestattet. Was die Grafik betrifft, so beherrscht der neue Apple die bisherigen Apple- Grafik-Modes Low Resolution (40 x 40, 16 Farben), High Resolution (280 x 192, 6 Farben) und Double High- Resolution (S60 x 192 bei IIc und IIe mit 128 KByte). Dazu kommen noch zwei Super-High-Resolution-Modes mit einer Auflésung von 320 x 200 Pi- xels mit 16 aus 4096 Farben oder 640 x 200 mit 4 aus 4096 Farben. Die Bild- schirmausgabe erfolgt entweder iiber einen RGB- oder einen mo- Ausgabe 21 vom 1. 10. 86 nimum mun Regelbar: Die GréBe der RAM-Disk Schaltzentrale: Das Control-Panel Test nochromen Monitor. Fiir beide sind Anschliisse vorhanden. Ein An- schlu8 fiir das AppleTalk-Netz ist ebenfalls bereits integriert. Im ROM befindet sich immer noch das betag- te aber durchaus noch konkurrenz- fahige Applesoft-Basic. Hardware- méaBig ist bereits eine Uhr einge- baut. Stecker fiir den neuen Desk- top-Standard und fiir einen Joystick sind vorhanden. Diese Grundaus- stattung enthalt der Apple IIGS mit acht leeren Slots. Als externe Mas- senspeicher werden standardma- Big die neuen Unidisk-344-Zoll-Lauf- werke mit 800 KByte Kapazitat (for- matiert) verwendet und ohne Con- troller direkt angeschlossen. Die al- ten 5¥,-Zoll-Laufwerke (143 KByte) konnen tiber den normalen Control- ler in Slot 6 betrieben werden. Au- Berdem gibt es eine neue Variante des klassischen 5%4-Zoll-Laufwerks, das ebenfalls ohne Controller direkt an den JIGS und an den IIc ange- schlossen werden kann. Ein weite- rer externer Massenspeicher, der vom IIGS iiber eine Steckkarte ge- steuert wird, ist die Harddisk HD20, die auch fiir den Macintosh Plus ver- wendet wird. Weitere neue Hardwa- re im Zusammenhang mit dem IIGS ist bei Apple im Monitorbereich zu finden: Es gibt einen monochromen 12-Zoll-Monitor mit weiSem (P4) Pho- sphor, der fiir die Positiv-Darstel- lung ein Macintosh-ahnliches Bild liefert. StandardmaBig wird der IIGS mit einem Farbmonitor kombi- niert werden, eine weitere Neuvor- stellung von Apple. Er funktioniert nach dem RGB-Prinzip und hat ebenfalls eine Bildschirmdiagonale von 12 Zoll. Auch was die Software betrifft hat sich beim Hersteller einiges getan. Zur Unterstiitzung des IIGS wurde eine neue Variante des bereits be- kannten Betriebssystems ProDOS entwickelt. Das neue ProDOS 16 ist File- und Kommando-kompatibel mit dem Standard-ProDOS (jetzt Pro- DOS 8) und nutzt die Vorteile der 65C816 aus. Der Software-Bestseller Appleworks wurde ebenfalls neu aufgelegt und um einen Mailmerger bereichert. Au8erdem nutzt er jetzt den erweiterten Speicher des IIGS. Neve Maus: klein und flach Rein konzeptionell wird es in Zu- kunft auf dem Apple IIGS zwei Haupttypen von Anwendungspro- grammen geben: tastaturorientierte Software wie Appleworks und maus- orientierte Software wie Mouse- paint. Der Hersteller jedenfalls wird besonders diese beiden Typen von extrem anwenderfreundlicher Soft- ware unterstiitzen. Auch Desk-Ac- cessories wie auf dem Macintosh soll es bald auf dem Apple IIGS in groBer Zahl geben. Ebenso einen Finder in Macintosh-Manier. Zugegeben, diese Daten machen neugierig und wir konnten es kaum erwarten, eine erste Vorab-Version des IIGS unter die Lupe zu nehmen. Unser Testsystem bestand aus der IIGS-CPU, einem Farbmonitor und J hoe \ \ \ 7 | \ \ eae einer Unidisk. Der erste Eindruck des Gerates ist gut, das platzsparen- de, graue Gehause mit dem aufge- setzten Monitor und der abgesetz- ten Tastatur sieht kompakt und ele- gant aus. Hartmut Esslinger von Frog-Design (weltberiihmt durch Sony Walkman 2) hat einige gut durchdachte Details optisch und funktionell gut aufbereitet. Die ab- gesetzte Tastatur mit Zehnerblock hat insgesamt 80 Tasten und ist wohl- tuend flach. Die leichte Wélbung und das Fehlen des Rahmens, der sonst die Tastenblécke einschlieBt, machen sie kompakt, leicht und be- quem zu bedienen. Eine Leiste an der oberen Kante enthalt die Reset- Taste und zwei Stecker fiir ein Apple-Desktop-Gerat. Einer davon verbindet die Tastatur mit dem Computer, der andere ist fiir die Maus gedacht. Dabei ist es egal, ‘was wo angeschlossen ist, so da8 die Maus zum Beispiel auch links an- geschlossen werden kann (fiir Linkshander). Auch andere Gerate kénnen dort eingesteckt werden, was einem das Herumgestépsel auf der meist engen und schlecht be- leuchteten Computerriickseite er- spart. Ein Barcode-Leser fiir diesen Anschlu8 existiert schon, ein Light- pen oder ein Trackball wiirden sich anbieten. Die Maus des neuen IIGS hat sich ebenfalls verandert. Sie ist kleiner, flacher und leicht keilfor- mig, so daB sie besser in der Hand liegt. Das Gehause des Computers selbst ist relativ klein und hat vorne eine kleine abgesetzte Leiste mit ei- (ee z | | et i | Kleiner als beim Mac: die neue Apple-Maus im keilformigen Design 20 <emputer die Unidisk In Zukunft Standard-Massenspeicher fiir alle Apples: Ausgabe 21 vom 1. 10. 86 Test 7 a ca SN SS L {ea a foeses| sara Macht jeden Mac-Besitzer neldisch: die flache IIGS-Tastatur ner Kontroll-Leuchte. Auf der Riick- seite befindet sich ein recht vollstan- diger Steckersatz mit den oben be- schriebenen Anschliissen und ei- ner Buchse fiir einen Stereo-Kopfhé- rer. Die Stecker fiir die beiden se- riellen Ports sind wie beim Mac in Mini-DIN-Norm gehalten. Einem un- bedarften Betrachter drangt sich hier die Vermutung auf, da8 es ir- gendwo in jedem gro8en Compu- ter-Untemehmen einen kleinen Raum im Keller gibt, in dem ein Berufs-Sadist neue Steckernormen auswaéhlt (schlimmstenfalls erfin- det), um sie genau dann in eine neue Maschine einzubauen, wenn man endlich alle Pheripheriekabel fiir die ohnehin schon exotischen Stecker des alten Computers ge- kauft oder angefertigt hat. Ein Blick unter die Abdeckung zeigt einige interessante Verande- rungen im Vergleich zum Vorgan- ger. Was zuerst auffallt ist das groBe Netzteil, das im Gegensatz zum IIe gut abgeschirmt ist. Auf der Platine finden die Augen nur wenig Ge- wohntes. Ein GroBteil der Chips wurde in Flat-Pack-Ausfiihrung ein- gebaut. Der Blick fallt auf Custom- Chips mit klingenden Namen, einer davon tragt die Aufschrift »Slotma- ker«. Sieben Slots wurden in ge- wohnter Position hinten auf der Plati- ne installiert, ein achter, némlich der Memory-Expansion-Slot, sitzt vorne rechts. Dieser Anschlu8 dient aus- schlieBlich zum Erweitern des RAM- Speichers. Ein Sockel fiir den Soundchip ist freigelassen worden. Nach dem Griff zum Hauptschal- ter ert6nt nicht mehr der so vertrau- te Pieps des Apple II Flip-Flop- Soundtreibers, sondem ein melodi- 6ser synthetischer Ton. Auch IIGS- Systeme, die den Soundchip zur 1§stimmigen Klangsynthese nicht eingebaut haben, benutzen inzwi- schen einen aufwendigeren Weg (und sei es auch nur softwaremaBig) um Klange zu erzeugen. Die Bild- schirmdarstellung hat sich ebenfalls 22 Computer verandert. Im 40-Zeichen-Modus ist der aktive Bereich des Bildschirms von einem Rahmen umgeben, 4hn- lich der Darstellungsart des Com- modore 64, Die Farbe fiir Rahmen, Text und Bildschirmhintergrund ist mit Hilfe des Control-Panel-Pro- gramms, das spater noch genauer beschrieben werden soll, einstell- bar. Es kann jedoch auch die rah- menlose Bildschirmdarstellung a la Apple Ile gewahlt werden. Der Au- tostart funktioniert wie bei allen Apple-Computern. An unser Test- gerat wurde versuchsweise noch ein IIc-Laufwerk angeschlossen. Es wurde in den Stecker auf der Riick- seite der 800-KByte-Unidisk ge- steckt, die ihrerseits wieder mit der Buchse am IIGS verbunden war. Dieser Controller-freie Anschlu8 im 1/0 per Smart-Port Daisy-Chain-Verfahren hat zur Folge, da8 den Laufwerken Pseudo-Con- troller-Karten zugewiesen werden. Das 5%4-Zoll-Laufwerk verhalt sich wie ein Laufwerk, das iiber einen Controller in Slot 6 angeschlossen ist. Folgerichtig wird es auch in ProDOS-Kommandos oder von Pro- grammen aus mit der Spezifikation S6, D1 angesprochen. Die Emulation der Controllerkarte ist 100prozentig und funktionierte im Test von jedem Programm aus. Die Unidisk be- kommt nach demselben Verfahren Slot 5 Drive 1 zugewiesen. Die ange- schlossenen Laufwerke werden al- so je nach Format auf die Pseudo- Controller verteilt: 3%4-Zoll-Laufwer- ke kommen in Slot 5, 5%4-Zoll-Lauf- werke in Slot 6. Jeder Slot ist mit ma- ximal zwei Laufwerken ausgelastet, so daf bis zu vier Laufwerke ohne Controller angeschlossen werden kénnen. Erlaubt wird diese Emulation durch den sogenannten »Smart Porte. Der Smart-Port enthalt einer- seits die beriihmte »Integrated Woz- niak Machinex, die die Laufwerke bedient, dazu noch einen Apple- Talk-Anschlu8 und einen rudimen- taren SCSI-Port. Rudimentér des- halb, weil man zum Anschlu8 der HD 20-Harddisk noch eine Karte zur Erganzung braucht. Das Vorhan- densein aller wichtigen Interfaces 1a8t nun vermuten, da8 dem Anwen- der alle Slots zusatzlich fiir weitere Interfaces und Steckkarten zur Ver- fiigung stehen. Das ist aber nicht so. Das Slotkonzept des IIGS sieht viel mehr vor, da8 die I/O-Ports auf der Riickseite des Gerates je einem Slot zugeordnet sind. Die direktiiber die Ports angeschlossenen Laufwerke zum Beispiel verhalten sich wie tiber einen Controller in Slot 6 be- trieben. Da die Adresse von Slot 6 ja nicht zweimal belegt werden kann (einmal vom Pseudo-Controller und einmal von einer wirklich vorhande- nen Karte), ist Slot 6 nun nicht mehr nutzbar. Man kann also nur entwe- der einen Slot oder den korrespon- dierenden Port ansprechen, nicht aber beide gleichzeitig. Die An- schliisse fiir Drucker, Modem, Maus, die 2 x 2 Laufwerke und der AppleTalk-Port bendtigen je einen Slot. Nur Slots, die einem Port ent- sprechen, der gerade nicht bendtigt wird, kénnen frei benutzt werden. Dieses Konzept bietet einen recht guten Kompromi8 zwischen Flexibi- litat und reichhaltiger Serienausstat- tung. Es erméglicht quasi den Be- trieb von zwei Apple-Computern in einem Gehause: einmal den Serien- Apple IIGS mit seinen Standard- Ports und einmal den User-Customi- zed Apple mit einer speziell ausge- legten Kombination an Steckkarten. Da jeder Slot einzeln zwischen Karte und Port umschaltbar ist, sind auch Mischlésungen méglich. Anderer- seits konnte man ein biSchen traurig sein, daB bei der Slot-Adressierung so viel verschenkt wurde. Vielleicht waren ein oder zwei Slots, die immer Benutzer-Karten aufnehmen kénnen und nicht mit einem Port korrespon- dieren, ganz niitzlich gewesen. Die Konfiguration der Slots erfolgt mit dem bereits erwahnten Control-Pa- nel. Dabei handelt es sich um ein Programm, das im ROM liegt und die wichtigsten Systemparameter festlegt. Es ist vorgesehen, da& man das Control-Panel auch aus dem lau- fenden Anwenderprogramm her- aus erreichen kann. Die einmal fest- gelegten Konfigurationen, wie zum Beispiel die Bildschirmhintergrund- farbe, werden in einem batteriege- pufferten RAM abgelegt, so da8 sie auch nach dem Ausschalten des Ausgabe Zi vom 1 10 86 Test Kontaktfreudig: Die Riickseite des neuen Apple lIGS ist mit allen wichtigen Schnitt- stellen bestiickt IIGS gespeichert bleiben. Der Ein- stieg ins Control-Panel kann auf drei Wege erfolgen: durch Kaltstart mit gedriickter OptionTaste, durch Warmstart mit »Option-Control-Re- set« oder aus einer Applikation her- aus mit »Open-Apple-Control-Es- cape«. Diese Tastaturkombination fiihrt einen ins Desk-Accessories-Menii, wo man durch Betatigen der Pfeilta- sten eine Option auswahlt und durch »Return« bestatigt. Von den Apple- works-Meniis her ist man dieses Ar- beitsverfahren bereits gewohnt. Hier findet man auch eine Méglich- keit, auf die alte Bildschirmdarstel- lung der vorhergehenden Apple- Computer (also ohne Rahmen) um- zuschalten. Das Control-Panel selbst wird ebenfalls Appleworks-ahnlich mit Hilfe der Pfeiltasten, Return und Escape bedient. Der erste Punkt in der Meniiliste des Control-Panels regelt die Bildschirmdarstellung. Die Auswahl erstreckt sich auf den Monitortyp, die Spaltenzahl und die Signalfrequenz fiir den Monitor (60 oder 50 Hz). AuSerdem werden die Farben fiir Rahmen, Hintergrund und Text aus einer 16farbigen Palet- te ausgewahlt. Die Lautstarke und die Héhe des Piepstons, der bei Feh- lern ertént, wird unter »Sound« be- handelt. Ein ganz besonderer Lek- kerbissen versteckt sich hinter dem Meniipunkt »System Speed«. Der Arbeitstakt des Apple IIGS ist nam- lich vom Benutzer umschaltbar. Im normalen Modus, zur Emulation des Apple Ile und IIc bestens geeignet, arbeitet die 65C816 mit 1 MHz. Fiir zeitkritische Anwendungen und zur Beschleunigung von Ile, c-Software kann man den schnellen Modus mit 2,8 MHz verwenden, der eine Ge- schwindigkeitsverbesserung um den Faktor 2 bis 3 bringt. Eine weite- re Moglichkeit des Control-Panels ist das Stellen der Uhr und das Konfi- 24 Semputer gurieren der Tastatur. Dabei wer- den das Layout, die Wiederholungs- geschwindigkeit, die Zwischen- schaltung eines Tastaturpuffers und die Darstellung von landesspezifi- schen Zeichen sowie einige andere Parameter geregelt. Ein weiterer Meniipunkt ist den Slots gewidmet, die hier entweder auf eine Benutzer- Steckkarte oder auf den Port gelegt werden. Auch die Boot-Drive kann dabei festgelegt werden. Die seriel- len Ausgaénge kénnen ebenfalls uber das Control-Panel konfiguriert werden. Konfiguration mit dem Control-Panel Au8erdem wird das Anlegen ei- ner RAM-Disk auf einem erweiter- ten Apple IIGS unterstiitzt. Alle die- se Einstellungen, die tiber das Control-Panel getroffen wurden, werden in einem batteriegepuffer- ten RAM mit 16 KByte gespeichert. Sie bleiben auch nach dem Aus- schalten des Gerates erhalten. Da auch die Systemuhr weiterlauft, ver- steht sich ohnehin von selbst. Spater soll der gepufferte RAM-Bereich auch alternative Zeichensatze ent- halten, die der Benutzer selber defi- niert. Anwenderprogramme kén- nen die Einstellungen des Control- Panels aber iibergehen und softwa- remaBig ihre eigene Konfiguration setzen. Wenn sich auch beziiglich des Verfahrens der Systemkonfigu- ration einiges geandert hat, die ROM-Sprache des Apple IIGS ist im- mer noch das klassische Applesoft- Basic. Was man dem Neuen indes ge- génnt hat, ist ein neuer Systemmoni- tor. Neben der Implementation der neuen Befehle im eingebauten Dis- assembler und einer verbesserten Angabe der Adressierung wird nun bei_ einem Hex-Dump auch das ASCIl-Aquivalent auf dem Bild- schirm dargestellt. Zu einem spate- ren Zeitpunkt sollen die neuen Grafik- und Soundméglichkeiten des IIGS durch eine Basic-Ergan- zung, die zugeladen wird, ausge- nutzt werden. Dazu werden aber mindestens 512 KByte Speicher er- forderlich sein. Auf die gleiche Art und Weise soll auch eine Toolbox zu- ladbar sein, die weitestgehend der des Macintosh entsprechen soll. Bei der enthaltenen Quickdraw-Library werden sogar die Namen der ein- zelnen Routinen iibereinstimmen. Unterstiitzt wird die Entwicklung von neuer Software, vor allem durch den vorhandenen C-Compiler und einen 65C816-Assembler. Bei dem Assembler handelt es sich um den bereits gut bekannten Orca/M in der Version 4.0. Diese Software, die dem IBM 370-Assembler nachemp- funden wurde, hat als leistungsfahi- ges Entwicklungswerkzeug bereits einen guten Ruf. Auch was die Doku- mentation betrifft, gibt es Gutes zu berichten: Ein ROM-Listing des IIGS wird bald fiir jedermann erhaltlich sein. Das franzésische Softwarehaus Version Software wird noch in die- sem Jahr mit Mouse-Word, einem mausorientierten Textverarbei- tungsprogramm, auf den Markt kommen. Mouse-Calc und Mouse- File werden folgen. Mouse-Desk schlieBlich wird der »Finder« des neuen IIGS sein. Der Umgang mit dem neuen Computer soll sich von dem mit dem Mac dann nicht mehr unterscheiden. Ein neues Pascal, das die IIGS-Features ausnutzt, wird ebenfalls erwartet. ProDOS 16, die Basis fiir viele der kommenden An- wendungen, wird sich jedenfalls den Platz im IIGS noch einige Zeit mit DOS 3.3, UCSD und CP/M teilen miissen. DOS 3.3 kann dabei nur mit 5'4-Zoll-Laufwerken betrieben wer- den. Eine Ubertragung von DOS 3.3 auf ProDOS und das filweise Kopie- ren auf die 3'4-Zoll-Laufwerke ist je- doch jetzt schon méglich. Nachdem nun genug theoretische Grundlagen vermittelt worden sind, folgt ein Blick auf die Performance des IIGS in der Praxis. Zum Test der Softwarekompatibilitat wurde ein IIc-Laufwerk angeschlossen. Auf diesem Laufwerk wurden zirka 60 bekannte Anwenderprogramme gebootet. Erfreulicherweise waren kaum Probleme festzustellen. Mit normalen Anwendungen wie Daten- banken oder Textverarbeitungspro- grammen gab es keine Schwierig- keiten. Viele Apple II-Benutzer ha- Ausgabe 21 vom 1. 10. 86 Test ben ihre umfangreichen Programm- bibliotheken aus der Zeit vor Pro- DOS nicht mit Original-DOS 3.3, son- dem mit irgendeiner schnelleren DOSVariante angelegt. Insgesamt wurden sechs solcher Speed-Up- DOS Varianten erprobt. Bis auf David-DOS II funktionierten alle problemlos. Auch Kopierprogram- me und Programmiersprachen lie- fen einwandfrei. Sogar die schnelle Grafiksprache Graforth wurde ver- arbeitet. Um den Test auf ein schwierigeres Level zu bringen, wurden dann Programme mit Ko- pierschutz gebootet um zu testen, wie gut die Laufwerke von den emu- lierten Controller-Karten des Smart- Ports angesprochen werden. Auch hier traten keine Probleme auf. Der ultimative Software-Kompatibilitats- test schlieBlich wurde mit den Gra- fikspielen »Skyfox« und »Stellar 7« durchgefiihrt. Diese Software ist fiir einen Kompatibilitatstest besonders deshalb interessant, weil sie auf dem niedrigstméglichen Level in- nerhalb der Maschine arbeitet. Un- ter den Programmierern von sol- chen Spielen ist es ein beliebter Sport, die Rechenzeit zyklusweise einzusparen. Wahrend man bei Pro- grammen in héheren Sprachen eine Scheinkompatibilitat | vortéuschen kann, indem man in den Interpreter oder Compiler »Flicken« einbaut, wirken Programme in Maschinen- sprache sehr viel direkter auf die Hardware ein und zeigen so, wie kompatibel sie wirklich ist, ohne da8& Fehler durch Software geradegebo- gen werden. Ebenso stellen die aus- gefuchsten Kopierschutzverfahren die Laufwerke und deren Steuerung auf die Probe. »Skyfox« lief sowohl mit 1 MHz als auch mit 2,8 MHz ein- wandirei. »Stellar 7«, das nicht mal auf dem Apple Ile einwandfrei lauft, verursachte bei beiden Geschwin- digkeiten keine Probleme. Der Flug- simulator II von Sublogic wurde ebenfalls einwandfrei abgearbeitet. Besonders interessant ist bei die- sem Gerat die Ansteuerung der Ports beziehungsweise Slots. Des- halb umfaBte die nachste Testreihe Programme, die auf die eine oder andere Art einen Slot gebrauchen. Die meisten Programme hatten da- bei keine Schwierigkeit, auf 80-Zei- chen-Darstellung umzuschalten. Le- diglich Programme, die auf Ultra- term oder eine andere spezifische Karte festgelegt waren, hatten Pro- bleme. Bei Software fiir den Ile, die die eingebaute 80-Zeichen-Karte mit 64-KByte-Erweiterung benutzt oder auf den IIc ausgelegt ist, diirfte es aber keine Probleme geben. Ausgabe 21 vom 1. 10. 86 Ein Blick ins Innenleben des IIGS: Flat-Packs und Custom-Chips wohin man schaut Sehr viel anders sah es dagegen beim seriellen Modem-Port aus. Der Apple IIGS enthalt einen speziellen Kommunikations-Chip, der anschei- nend von einem GroBteil der Softwa- re nicht richtig bedient werden kann. Die meisten Programme er- warten eine Super-Serial-Card mit einer ACIA 655] oder sonst eine se- tielle I/O-Card. ASCII-Expre8 und Access II jedenfalls konnten mit dem Kommunikations-Chip nichts rechtes anfangen. Es ist damit zu rechnen, daf jede andere Software, die direkt auf die ACIA zugreifen will, ahnliche Probleme hat. Nach- ste Teststation: Z80-Karten. Karten mit einer Z80-CPU erdffnen den Apple-Usern die Welt der CP/M- Software. Seit Jahren schon sind sol- che Karten ein Standard Add-On, und jeder Anwender, der etwas auf sich halt, nennt eine sein eigen. Posi- tiv verlief dann auch der erste Test mit der Microsoft-Softcard. CP/M 2.23 in der 60-KByte-Version lauft oh- Slot-kompatibel zur Iler-Reihe ne Probleme. Die 56-KByte-Version funktioniert auch. Ein weiterer Ver- such mit der IBS AP 22 schlagt dage- gen fehl. Diese Karte, die mit einem schnellen (6 MHZ) Z80 B-Prozessor und 64 KByte RAM ausgeriistet ist, hat eine ganz besondere Spezialitat: komplizierte DMAs. Der Fehlschlag kénnte aber auch daran liegen, daB das ROM des getesteten Prototyps noch nicht die endgiiltige Version des ROM-Programms enthielt, Es ist also durchaus méglich, da& sich manche Dinge bis zum Verkauf des Gerates noch andern. Der nachste Test war weniger kritisch. Es ging um den Anschlu8 eines parallelen Druckers mittels einer Interfacekar- te. Als Testexemplar wurde hierzu das PKASO/U-Interface ausge- wahlt, weil es neben den iiblichen Features wie GrafikDumps auch noch andere Dinge ausfiihren kann. Dazu gehéren auch Grauton-Grafi- ken. Wahrend die einfachen Dinge wie HiRes-GrafikDumps und Text- dumps funktionierten, gab es bei der Grautongrafik bereits geringe UnregelmaBigkeiten. Sie wurden zwar ausgedruckt, aber vor und nach dem Ausdruck wurden Zeilen voller Fragezeichen ausgegeben. Das Netzteil des IIGS, schon seit dem alten Apple II Sorgenkind der Hardware und Gegenstand haufi- ger Beschwerden, wird allerdings auffallend hei8. Im geschlossenen Gehause, das weder iiber einen Ventilator noch iiber allzugroBe Liif- tungsschlitze verfiigt, herrschen schon nach wenigen Stunden tropi- sche Temperaturen. Es ist anzuneh- men, da8 die Temperatur weiter- steigt, wenn RAM-Karten oder an- dere Karten, die viel Strom ziehen, verwendet werden. Benutzern, die das Gerat den ganzen Tag lang an- geschaltet haben, ware auf jeden Fall ein Ventilator zu empfehlen. Auch gab es beim Einbau von gro- Ben Steckkarten geringe Probleme mechanischer Natur. Es war erfor- derlich, einige Bauteile etwas zur Seite zu biegen, um zum Beispiel die RAM-Karte von Saturn einzustek- ken. Die Geschwindigkeit des neuen Apple-Computers im schnellen Mo- dus ist in der Praxis ungefahr mit der eines Apple Ile mit Accelerator zu vergleichen, vielleicht ein bi&chen langsamer. Appleworks brauchte Fortsetzung auf Seite 28 Computer 25 Test Fortsetzung von Seite 25 nicht ganz fiinf Sekunden, um einen 54 KByte langen Text nach einem bestimmten Wort zu durchsuchen. Auch der Zugriff auf die neuen 344- Zoll-Laufwerke geht angenehm schnell vor sich. Das Lesen des oben genannten Textes dauerte 22 Sekunden, das Schreiben 26. Da beim Zugriff auf die Laufwerke her- untergetaktet wird, gibt es hier kei- nen Unterschied zwischen dem nor- malen und dem schnellen Betriebs- modus. Sehr wohl Unterschiede gibt es aber bei der Abarbeitung von Basic-Programmen. Wahrend der JIGS im normalen Modus fiir 50000 Leerschleifen eine Minute und sie- ben Sekunden brauchte, erledigte er dieselbe Aufgabe im schnellen Modus in 25 Sekunden. Das abge- bildete Beispielprogramm wurde im normalen Modus in zwei Minuten und 13 Sekunden durchlaufen, im schnellen Modus geniigten 48 Se- kunden. Insgesamt werden Basic- Programme um nicht ganz den Fak- tor 3 schneller. Mit dem Apple IIGS wurde ein Computer vorgestellt, der durch weitestgehende Kompatibilitat — so- wohl was die Software als auch die Hardware anbelangt — den grofen Kauferstamm der Apple II-Familie ansprechen wird. Wer gerade eine neue Steckkarte fiir einige 100 Mark gekauft hat oder noch iiber eine gro- Be Apple II-Software-Bibliothek ver- fiigt, wird diese Eigenschaft sicher- lich zu schatzen wissen. Die Még- lichkeit der Vernetzung, die Flexibi- litat des Systems und ein grofBes Soft- ware-Repertoire machen den IIGS besonders fiir den Bereich Schule und Erziehung interessant. Die voll- standige Ausstattung in der Grund- version einerseits und die Flexibili- tat der Slots andererseits lassen vie- le Anwendungsméglichkeiten offen. Nicht zuletzt dadurch, da8 der Her- steller (ohnehin Pionier fiir grafische Benutzeroberflachen) ein Mac-like- Desktop nun auch auf der IIer-Pro- duktreihe anbietet, kénnten bei ei- nem verniinftigen Preis sicher viele Kaufer gefunden werden, beson- ders im bereits oben erwahnten al- ten und treuen Kundenstamm sowie im Erziehungs- und Schulbereich. Aufgrund der offenen Busstruktur sind auch Bastler und Hardware- Freaks sicher zu den Interessenten zu zaéhlen. Es mu8 sich allerdings noch zeigen, ob der IIGS sich auf dem Computermarkt gegen »Lei- stungsriesen« wie den Atari 520ST+ oder den Amiga durchsetzen wird. Die Ara des Apple II ist jedenfalls noch lange nicht vorbei. (ni) 28 Computer Auf einen Blick: Apple IIGS Typ: Apple IIGS CPU: 68C8I6, 8-BitDatenbus, 24-Bit-AdreBbus, Takt umschaltbar - zwischen 1 MHz und 2,8 MHz RAM: 256 KByte (erweiterbar auf 1 MByte, spater 8 MByte) ROM: 128 KByte, ausbaubar bis 1 MByte Betriebssysteme: ProDOS 16, ProDOS 8, UCSD, CP/M (mit 280-Karte), DOS 3.3 Slots: 71/O-Slots, | RAM/ROM-Extension-Slot Display: 7 Modi: 40 x 24 Zeichen Text 80 x 24 Zeichen Text 40 x 40 Pixel Grafik, 16 Farben 280 x 192 Pixel Grafik, 6 Farben 560 x 192 Pixel Grafik, 16 Farben 320 x 200 Pixel Grafik, 16 Farben aus einer Palette von 4096 640 x 200 Pixel Grafik, 4 Farben aus einer Palette von 4096 Tastatur: abgesetzte Tastatur, 80 Tasten, 10er-Block Interfaces: Analoger RGB-Ausgang, Monochrom-Ausgang, Kopfhérer- anschlu8, Apple-Desktop-Interface, Smart-Port Disk-Interface fiir 5¥,-Zoll- und 3'4-Zoll-Laufwerke, Serieller DruckeranschluB, Serieller Modemanschlu8 Sound: Synthesizer-Chip mit 15 Stimmen optional erhaltlich, Uhr: eingebaute, batteriegepufferte Uhr Preis: IGS, Maus, RGB-Monitor: 4990 Mark inkl. MwSt. IGS, Maus, S/W-Monitor: 3990 Mark, inkl. MwSt. uLIsT S PRINT CHR# (7) 10 DIM A(100) 20 FOR I = i TO 100 30 ACI) = RND (1) 40 NEXT I So FOR I = 1 TO 100 60 FOR J = 1 10 99 70 IF ACS) < ACJ + 1) THEN GOSUB 200 80 NEXT J 90 NEXT I 100 FOR I = 1 TO 100 110) PRINT ACI) 120 NEXT I 198 PRINT CHRS (7) 199 END 200 X = ACJ + 1)2ACJ + 1) = ACJ)SACI) = Xe RETURN Basic-Benchmark-Test mit Bubblesort Ja I 50000 Leerloops 120 HI Bubblesort 100 80 — Links der lIGS-Emula- Tal tionsmodus fiir die = alte ller-Reihe (identisch mit der 20 1— Geschwindigkeit des llc), rechts der neue ° : aka schnelle Modus a ahaa) one des IIGS Slots und Ports DOS-Varianten: Slot 1: Printer-Port (seriell) Diversi-DOS Slot 2: Modem-Port (seriell) Hyper-DOS Slot 4: Mouse-Interface Pig-DOS Slot 5: Disk-Controller (3% Zoll) Q-DOsS Slot 6: Disk-Controller (6% Zoll) ZDOS Slot 7: Apple-Talk (Printer- oder Modem-Port) Ausgabe 21 vom 1, 10. 86
mp.ls